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Neuer Defi im Bürgerhaus

Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 200.000 Menschen am plötzlichen Herztod. Durch ein Kammerflimmern, eine viel zu schnelle Erregung der Herzkammern, kann das Herz kein Blut mehr in den Körper pumpen, verbraucht aber in diesem Flimmerzustand immens viel Sauerstoff. Dieses Kammerflimmern kann nur mit Hilfe eines Defibrillators durchbrochen werden. Dabei wird ein Stromstoß über Elektroden zum Herzen gesendet, der alle Herzmuskelzellen zum Stillstand bringt und somit dem natürlichen Taktgeber des Herzens die Chance gibt, seine Arbeit wieder aufzunehmen.

Rettungsdienst und Notarzt, die einen solchen Defi mitbringen, benötigen im Durchschnitt etwa acht Minuten zu einer Einsatzstelle zu kommen, in abgelegenen Teilen des Wittgensteiner Landes auch schon einmal länger.

Mit jeder Minute, wo ein solcher Patient unversorgt liegt, sinkt seine Überlebenschance jedoch um etwa 10%. Diesem plötzlichen Herztod hat der DRK Ortsverein Bad Berleburg bereits seit längerem den konsequenten Kampf angesagt und nach und nach gemeinsam mit Sponsoren mehrere Defibrillatoren installiert.

Stolz konnten DRK-Helfer und die Mitarbeiter der Stadt Bad Berleburg jetzt einen weiteren Defi im Wert von 3200 Euro installieren, der für die Bevölkerung und für jeden Menschen zugänglich ist: Ab sofort steht im Bürgerhaus am Marktplatz ein solcher Lebensretter zur Verfügung. Rettungssanitäter Dominik Wagener vom DRK demonstrierte am Montagmorgen die Vorteile des Gerätes: Bei Entnahme aus der Wandhalterung stellt das Gerät, was auf einer Trageplatte befestigt ist, eine Verbindung zur Rettungsleitstelle her. „Man kann dann mit der Leitstelle reden, während man das Gerät bedient, und dem Menschen hilft“, erklärt Dominik Wagener. Dabei muss der Helfer nicht einmal wissen, wo er sich befindet, denn das Gerät sendet ein GPS-Signal, mit dem die genaue Position schnell ermittelt werden kann. Neben der Kommunikation mit der Leitstelle, bei der der Helfer Anweisungen zur richtigen Wiederbelebung erhalten kann und parallel ein Notarztwagen alarmiert wird, führt das Gerät den Helfer Schritt für Schritt durch die Reanimation. Weitere Vorzüge des Defis: „Das Gerät erkennt selbstständig, ob es sich um Kinder, Jugendliche, oder Erwachsene Patienten handelt und wählt entsprechende Stromstärken aus. Außerdem kann es auch in nasser Umgebung eingesetzt werden“, erklärt Dominik Wagener.

Damit ist dies bereits der sechste Defi der selben Bauart, der auf Initiative des DRK Bad Berleburg installiert wird. Gerade der Hausmeister des Bürgerhauses, Jürgen Freischlader, zeigt sich sehr erfreut über den Lebensretter in seinem Gebäude: „Wir hatten hier schon mehrmals Herznotfälle und auch einen Todesfall eines Mitarbeiters, bei dem ein Defibrillator vielleicht das Schlimmste verhindert hätte“, berichtet er. Täglich von 08.00 – 20.00 Uhr steht das Bürgerhaus offen und der Defibrillator kann bei Bedarf sekundenschnell von Jedermann entnommen und eingesetzt werden. Entsprechende Schulungen für die Bevölkerung sollen schnellstmöglich angeboten werden. „Dabei geht es aber nur darum, die Schwellenangst abzubauen. Die Benutzung ist selbsterklärend“, erklärt Dr. Liesel Baum, Vorsitzende des DRK Ortsverein Bad Berleburg.

Der Defibrillator im Bürgerhaus soll nicht der letzte gewesen sein: „Ziel ist es, die sehr schnelle Eintreffzeit des DRK-Rettungsdienstes mit effektiven Maßnahmen zu überbrücken. Gerade in den Ortschaften rund um Bad Berleburg sollen noch weitere Installationen folgen“, berichtet Dr. Baum. Sie und Manuel Spies, Leiter Immobilienmanagement bei der Stadt Bad Berleburg machen deutlich: „Man kann mit dem Gerät nichts falsch machen. Der einzige Fehler ist es, nichts zu tun“.  (Text: Matthias Böhl)